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           Die Geschichte Bockenheims   (Erste urkundliche Erwähnung)










Es ist wahrscheinlich, dass der Ort und der Weinbau auf römischer Gründung beruht. Jedoch der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 770 zu Folge, ist Bockenheim, ursprünglich "marca bucinheim" (Gemarkung Buckenheim) fränkischen Ursprungs und beruht auf einer Schenkung des Franken Grimbert an das Kloster Lorsch.
Nach dem Zusammenbruch der römischen Herrschaft (um das Jahr 400 n.Chr.) und der alemannischen Niederlage in der Schlacht bei Zülpich, zogen die siegreichen Franken in unser Land ein. Sie drängten ihre Gegner in süddeutsche Gebiete ab und wählten den Wormsgau zum bleibenden Wohnsitz.
Es erfolgte eine allgemeine Aufteilung des Bodens zwischen der neuen Staatsgewalt (König) und deren Gefolgsleuten (Vollfreie), wobei sich der König jeweils die fruchtbarsten und bereits kultivierten Gebiete vorbehielt!- Der Rest wurde unter die Vollfreien verteilt. Diese Aufteilung wird allgemein als "fränkische Landnahme" bezeichnet und fand in unserer Gegend um das Jahr 500 statt.
Die von den Franken angetroffene Bevölkerung (ein buntes Gemisch aus Alemannen, Burgundern, sowie Nachkommen der Römer und Reste der keltischen Urbevölkerung) wurden bei der "Landnahme" natürlich nicht gefragt. Sie verloren ihren Besitz und wurden als Hörige (Leibeigene) bezeichnet. Sie waren rechtlos und konnten wie Sklaven verkauft und verschenkt werden.
Für jede heutige Gemeinde, die den Zusatz "heim" trägt, kommt jeweils nur ein Franke mit seiner Familie als Gründer des ersten Hofes in Betracht.
Dass sich diese einzelnen Vollfreienhöfe, um die sich schnell eine Siedlung von Hörigen bildete, oftmals in der Nähe eines staatlich-königlichen Wirtschaftshofes befanden, und die beiden Siedlungen räumlich schnell zusammenwuchsen, war keine Seltenheit. Der Name der siedelnden Franken ging jedoch als Ortsname auf die neuhinzugekommene staatliche Siedlung über.
In Bockenheim haben wir das Kuriosum, dass das Zusammenwachsen der Siedlung des Franken Buggo (Großbockenheim) und die Hörigensiedlung des Königshofes (Kleinbockenheim-Mittelhofen) erst nach dem zweiten Weltkrieg, also erst rund eintausendvierhundertfünfzig Jahre nach ihrer Gründung erfolgte.
Die offizielle Annahme des Christentums durch den Frankenkönig Chlodwig und seine Gefolgsleute im Jahr 496 geschah kaum aus innerer Überzeugung sondern eher aus politischer Notwendigkeit. Z.B. war jeder Vollfreie nun verpflichtet, in jeder der ihm gehörenden Vollfreiensiedlung eine Kirche zu errichten und für den finanziellen Unterhalt eines Pfarrers zu sorgen.
Mit Rückgang des merowingischen Königshauses in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts und durch das erstarkende Königshaus der Karolinger begann eine umfangreiche Rodetätigkeit. Dadurch gelangten die Vollfreien zu noch mehr Grundbesitz und zu großem Ansehen, verbunden mit politischer Macht. Durch Kauf und geschickte Heirat erwarben sie noch vielfach Besitz in anderen Orten und überließen ihre ursprünglichen Wohnsitze vollends den Hörigen als Pachthöfe und traten in den Staatsdienst ein.
Dies war im wesentlichen die geschichtliche Vorrausetzung für die Schenkung des Grimbert, und aller nachfolgenden Stiftungen an das im Jahre 764 gegründete Kloster Lorsch.
Dass es sich bei den Stiftern, also auch bei Grimbert, nur um Angehörige des Vollfreienstandes handeln konnte, dürfte sich aus den bisher geschilderten Verhältnissen von selbst erklären.
Hörige hatten nichts zu verschenken.
Übrigens waren damals Grundstücke das billigste was man überhaupt schenken konnte. Land war im Überfluss vorhanden, 10 Morgen entsprachen dem Wert eines Pferdes und ein leinenes Frauenkleid war so wertvoll wie ein Morgen Ackerland.

1. Urkunde


Von Grimbert

Unter dem 26.Mai im Jahre der Regierung König Karls (770 unter Karl d. Gr.) mache ich, Grimbert, zum Geschenk dem heiligen Martyrer Nazarius, dessen Leib im Rheingau im Kloster Lorsch an der Weschnitz ruht; wo der ehrwürdige Guntland unverwest (wörtlich: mit weißer Haut) zu sehen ist: im Wormsgau in der Buckenheimer Gemarkung einen Mansus und eine Hufe, und alles, was als mein Besitz in genannter Mark bekannt ist an Wiesen, Feldern, Weinbergen, Häusern und Gebäuden, schenke ich zu ewigem Besitz. So vertraglich festgelegt (stipulatione subnixa). Verhandelt im Kloster Lorsch unter obigem Datum.

Nach Grimbert im 8. und 9. Jahrhundert finden wir in Lorscher Akten noch mehrere Stifter von Bockenheimer Grundstücken, die ich hier nicht im einzelnen aufführen möchte.
Wenn man die Bebauung und Kultivierung der Gemarkung voraussetzt, was wiederum auf eine beachtliche Anzahl an Hörigenfamilien schließen läßt, kann Bockenheim im ausgehenden 8. u. beginnenden 9. Jahrhundert kein unbedeutender Ort mehr gewesen sein, selbst wenn die in den Schenkungen genannten Vollfreien ihren Besitz auch in anderen Orten hatten.
Die Bockenheimer Gemarkung, die sogenannte Urmark, bildete damals noch ein in sich abgerundetes Ganzes. Gegen Ende des 9. Jahrhunderts wurde davon die Kindenheimer und im 12. Jahrhundert die Kleinbockenheimer Mark abgetrennt. Frühe Schenkungen in "marca bucinheim" lagen, wie sich aus späteren Besitzverhältnissen rekonstruieren lässt, oftmals auf heutiger Kindenheimer Gemarkung.
Unter den Schenkungsobjekten an Lorsch finden wir neben Einzelgrundstücken auch Hörige, einen Wald und vor allem Weinberge.
Das Pfälzische Landesmuseum in Speyer verwahrt eine ganze Anzahl von Bockenheimer Fundsachen aus fränkischer Zeit, oftmals aus winzigen Bruchstücken meisterhaft wieder zusammengefügt. Im Wesentlichen stammen die Gegenstände aus dem großen fränkischen Gräberfeld oberhalb der Martinskirche (Gewann "Heyer"- heutiges Wohngebiet "Auf dem Heyer").

Im Jahr 1068 taucht erstmals in einer Schrift in Lorsch ein "Emicho de Liningen" auf und um 1149 auch im Urkundenbuch des Klosters Otterberg. Dabei könnte es ich um den Leininger Grafen Emich I. handeln? Historisch nachweisbar ist die Geschichte der "Leininger Grafen" aber erst seit Emich II.
Er erbaute um 1110 die Stammburg in Altleiningen und gründete das Kloster Höningen (1120), wo in einer Urkunde der Ort Bockenheim genannt wird.
1120 starb das ältere Geschlecht der "Leininger" aus.
Friedrich II. nahm Name und Wappentier an und wurde Begründer des zweiten Hauses "Leiningen".
Nach seinem Ableben 1237 fiel Bockenheim Friedrich III. von Altleiningen zu. Unter dessen Herrschaft entwickelte sich der Ort prächtig. Mauern, Türme und Tore, breite Gräben befestigten und sicherten ihn.
Ein Streit der Gräfin Uda von Leiningen, wahrscheinliche Gemahlin Friedrichs III., wird durch Schiedsspruch am 7. Juli 1255 erledigt und in "villa Bockenheim" beurkundet. Friedrich IV. (Landvogt) vereinigte um 1300 wieder sämtliche, leiningischen Gebietsteile. Erbstreitigkeiten nach seinem Ableben 1316, führten nun zur endgültigen Teilung der Grafschaft, die in Bockenheim beurkundet wurde. Im Rahmen dieser Teilung fielen die zwei Bockenheimse in das Los des Hardenburgers Jodfried. Jodfrieds Enkel Emich VI. verpfändete Bockenheim im Jahre 1400 an die Grafen von Sickingen um die Kriegsschulden seines Vaters zu bezahlen. 1412 löste er es wieder aus, musste aber ein Viertel der Einkünfte der Dörfer unterhalb Dürkheims darunter auch Bockenheim (die Bezeichnung Klein und Großbockenheim findet sich nun öfter) an den Pfalzgrafen Ludwig III. bezahlen. Schonungslos wurde bei den Bauern die Steuern eingetrieben.
Dem am Hofe sehr einflussreichen Emich VI. war der weit streitsüchtigere Emich VII. gefolgt. Sein Hauptgegner war Kurfürst Friedrich I. Bockenheim, vor allem das am stärksten befestigte Kleinbockenheim war Hauptstützpunkt Emichs und von seinen Verbündeten. In kürzester Zeit hatte er von Bockenheim aus operierend, das ganze benachbarte Gebiet verwüstet, so dass der Kurfürst rüsten musste um dem Krieg ein Ende zu setzen. 500 Mann, 600 Pferde, und über 1000 Wagen fielen dem Kurfürst in die Hände. Vier Grafen, darunter Emichs Bruder Philipp gerieten in Gefangenschaft.
Härter aber war das Unheil, das zehn Jahre später über Bockenheim nieder ging. Während Emich VII. das oberpfälzische Amberg eroberte, schlug der Kurfürst die Zweibrücker bei Bergzabern und zog wie ein Würgeengel die Haardt herab. Alle Leininger Orte gingen in Flammen auf. Am 7. Juni 1471 schloss der "Böse Fritz" Groß- und Kleinbockenheim ein. Nach einwöchiger Belagerung nahm er den Ort im Sturm. Die meisten flüchteten, andere wurden im Wallgraben ertränkt. Die Heimstätten wurden verbrannt, die Festungswerke zerstört.
Nur langsam erholten sich beide Dörfer wieder. Die Stadtrechte die man bis dahin (wenn auch nur kurzzeitig)besaß gingen seitdem verloren.
Noch vor Ausbruch des Erbfolgekriegs, indem der noch streitlustigere Sohn Emichs VII., Emich VIII. wieder als Gegner der Kurpfalz auftrat, waren beide Bockenheims wieder erneuert.
1593 hatte Emich XI. ein Schloß bauen lassen, dem er den Namen Emichsburg gab. Die vielen Fehden und Streitigkeiten brachten das Land in schwere wirtschaftliche Bedrängnis und zum merklichen Verfall der Grafschaft.
Die auf den Klostergütern sitzenden Vögte ließen sich in den Jahren 1501-1503 sehr viele Gewalttätigkeiten und Ungerechtigkeiten zuschulden kommen. Hass loderte empor, bis sich die Nußdorfer Bauern erhoben. Der zündende Funke fiel direkt ins Pulverfass Bockenheim. Ein 300 Bauern starker Haufen wuchs schnell auf 3000 Mann an, ausgerüstet mit Kanonen, Säbeln, Sensen und Dreschflegeln. Die Klöster Hochheim, Höningen, Stauf, die Limburg, ja sogar Bad-Dürkheim und Wachenheim wurden durchflutet und geplündert. Oggersheim, Lambsheim, Freinsheim. Ruppertsberg, sogar das kurpfälzische Schloss in Dirmstein wurden gestürmt. Die Adligen wurden einfach aus den Fenstern geworfen. Battenberg und Altleiningen gingen in Flammen auf. Der Klugheit der Gräfin Eva war es zu verdanken, daß Neuleiningen verschont blieb. Als die kriegerischen Bauern vor den Toren des Dorfes standen, lud sie die Aufständischen in ihr Gut ein und verköstigte sie. Danach zogen sie friedlich wieder ab. Sogar Dörfer am Donnersberg wurden gebrandschatzt. Einhalt gebot die Schlacht in Pfeddersheim, wo die meisten der Bauern fielen und  Bockenheim selbst hatte einen erheblichen Teil seiner männlichen Kraft eingebüßt. Was war gewonnen? Wohnstätten und Befestigungen mussten wieder aufgebaut werden und die Bauern hatten hohe Geldstrafen zu entrichten.
Der Dreißigjährige Krieg verschonte Bockenheim in wirtschaftlicher Hinsicht nicht.
Im Orleanischen Krieg wurde Bockenheim geplündert und die Bürger wurden vertrieben.
Unter dem Österreichischen Erbfolgekrieg und mehr noch unter dem Siebenjährigen Krieg, hatte Bockenheim sehr zu leiden. Dennoch wuchs langsam wieder der Wohlstand. Drei Schulen, eine reformierte, eine katholische und eine lutherische wurden ins Leben gerufen.
Die französiche Revolution und die Napoleoanischen Kriege ließen das äußere Bild der Ortschaften unberührt.
Die Grafen verließen 1795 heimatlichen Boden um in Amorbach eine neue Heimat zu finden.
Die zerstörte Emichsburg mit dem dazugehörigen Schlossgut ging 1806 an den protestantischen Pfarrer Weiß aus Großbockenheim über. Er ließ den ehemaligen Stall zu einem Wohngebäude herrichten. Nach seinem Tode ging das gesamte Gut an die Familie Janson über, in deren Besitz es sich noch heute  befindet.
Der "Alte Klingel" wurde 1849 Bürgermeister, ein mit höchster Regierungsreife ausgestatteter und angesehener Mann.
Die Kriegsjahre 1866/70/71 übten keinen wesentlichen Einfluss auf Bockenheim aus.
1872 eröffnete die Bahnlinie Neustadt-Grünstadt-Monsheim.
Der Spargel und der Zuckerrübenanbau wurden eingeführt.
Die Entstehung des Obstmarktes 1911 zeugte vom Aufschwung.
Wasserleitung gibt es seit 1901 und elektrischen Strom seit 1914.
Die schmerzlichen Verluste welche die beiden Weltkriege schlugen, waren die kostbaren Opfer an hoffnungsreichem Menschenleben.


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